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Gedanken im April

Ich schnibbel die Banane um sie in einem dekorativen Kreis um meinem Porridge zu verteilen. Die eine Scheibe missglückt völlig, zu dünn auf der einen Seite, zu dick auf der anderen und dann bricht sie auch noch durch. Egal, dann wird sie halt hinter einer anderen platziert. “Irgendwie gesellschaftskritisch”, denke ich und dekoriere weiter. Das Auge isst ja bekanntlich mit und vielleicht sieht es ja am Ende so schön aus, dass es einem Instagramfoto würdig erscheint. Eigentlich finde ich es komisch sein Essen zu fotografieren. Auf der anderen Seite habe ich ein Fable für schöne Motive, schöne Fotos, und wenn es diese Kriterien erfüllt, warum nicht?

Ich bastel weiter und streue am Schluss Vanillepulver oben drauf. Mit den schwarzen Bröseln ist es jetzt nicht mehr fototauglich. Schmecken tut es trotzdem. Auf Instagram gehören nur schöne Dinge, nur perfekte Dinge. Da sind keine Pickel, keine Falten, keine ungezupften Augenbrauen erwünscht. Wir bauen uns unsere eigene kleine, perfekte Welt. Viele Blogger sagen sie würden keine Fehler posten, weil es ihre Leser nicht interessiert, weil ihr gerne eine perfekte Welt sehen möchtet und in sie abtauchen. Ich glaube das es andersherum funktioniert, dass man selbst keine Fehler zeigen möchte, dass man selbst sich diese kleine Welt baut und sie erhalten möchte. Nicht nur für seine Leser, sondern ich für mich.

Natürlich habe ich Fehler, ich bin rechthaberisch, ich bin unorganisiert und habe einen Wettbewerbsgeist der für drei reichen würde, aber das sind nicht die Seiten die meinen Blog ausmachen. Mein Blog lebt von meinen Stärken. Ich habe bei einer Umfrage mitgemacht die sich unter anderem mit dem Selbstbewusstsein von Bloggern beschäftigte und es wunderte mich überhaupt nicht, dass dieser Wert bei Bloggern meist zwischen 9 und 10 lag (wobei dies die zwei höchsten Werte sind die erreicht werden konnten). Wenn man sich selbst so präsentiert, Fotos von sich selbst in so einer Masse ins Netz stellt, dann muss man selbstbewusst sein. Man muss sich selbst leiden mögen. Es funktioniert einfach nicht wenn du nach jedem Shooting alle Bilder schlecht bewertest.

Aber Selbstbewusstsein ist ja auch nichts Schlechtes. Und doch bekommt man immer mal wieder blöde Kommentare. “Ach Lotte, die hat doch diesen komischen Blog.” Oder Menschen die meine Texte zitieren und sich über meine Worte lustig machen. “Es gibt da diese eine schwere Tür in der Uni…” Ja, ich zeige mich auf meinem Blog stark, aber ich zeige mich auch schwach, lasse euch an meinen Gedanken teilhaben und trage für das was ich schreibe die Verantwortung, ich ziehe auch das Los welches anderen die Möglichkeit gibt mir Hass-Kommentare zu schreiben oder sich über mich lustig zu machen. Aber all das gehört dazu, all das scheint meine kleine, perfekte Welt mit sich zu ziehen.

Und da liegt sie nun die kaputte Bananenscheibe, versteckt hinter den anderen, dabei ist dieses Essen eigentlich sowieso nicht Instagram tauglich.

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5 responses to “Gedanken im April”

  1. My daughter is CONSTANTLY asking questions. Some of her finest at 5.30 am when I’m still asleep, it’s not so easy to answer those ones!
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  2. Hi Charlotte,
    hier ist dein Namens-Zwilling. ich habe deinen Blog über eine Facebook-Gruppe gefunden. Starker Artikel, kann ich mich sehr gut mir identifizieren.

    VG aus Berlin,
    Charlotte

  3. blossomtime says:

    Da ist was dran. Ich mag das Bild 😉

  4. Matthias says:

    und jetzt frag mal die Bananenscheibe, wie die sich jetzt fühlt… 😉

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