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Rotkäppchen, oder wie die Zeit vergeht

Wie die Zeit vergeht, uns durch die Finger rinnt. Sie hat mich vergessen, die Zeit. Ich bin einfach stehen geblieben wo ich stand und wurde vergessen. Während mein Leben um mich herum nach vorne schritt, blieb ich einfach wo ich war. Ich wollte gar nicht erwachsen werden. Einfach ein bisschen länger Kind sein, Märchen lesen und durch den Wald toben. Ich will die Verantwortung gar nicht. Die Verantwortung von Erwachsenen. „Wie lange kennen wir uns jetzt schon?“, fragte mich letztens eine Freundin. „Ich weiß nicht“, antwortete ich. „Ich denke seit wir 10 Jahre alt waren, circa.“ Das wäre ja schon mehr als die Hälfte meines Lebens. Die Hälfte meines Lebens welches ich mit dieser einen Freundin geteilt habe. Wo ist denn bloß die Zeit geblieben?
Wie ich es geliebt habe mit meiner Mutter im Bett zu liegen und Märchen zu lesen, mit Gummistiefeln durch den Wald zu marschieren, Verstecken zu spielen zwischen den Häusern und mich mit den Kostümen aus der Kleiderkiste zu verkleiden. Rotkäppchen war eines meiner Lieblingsmärchen, das unschuldige Mädchen mit dem hübschen roten Jäckchen. Jetzt gibt es so ganz andere Dinge die einen so großen Platz in meinem Leben eingenommen haben. Mein Studium, meine Beziehung, die Wohnung, der Blog, meine Freunde. Da ist nicht mehr viel Möglichkeit um rumzuspielen, um nochmal Kind zu sein. Da ist der Tagesablauf immer gleich. Aufstehen, Uni, Blog, schlafen. Natürlich gibt es Tage an denen es anders läuft, an denen ich mich mit meinen Freunden treffe und wir ausgehen. Aber alleine die Zeiten zu denen man sich jetzt trifft sind so verschieden zu damals. 15.00 Uhr war die Zeit zum Spielen, um 18.00 Uhr war Schluss, da mussten alle nach Hause zum Essen. Manchmal durfte man bis 20.00 gemeinsam draußen bleiben, aber nur im Sommer. Heutzutage treffe ich mich selten vor 20.00 Uhr mit irgendjemandem.
Ich vermisse meine Kindheit manchmal. Das Unbeschwerte. Und dann muss ich darüber nachdenken, wie viel Arbeit es war aufzuwachsen. Wie viele Prüfungen ich jetzt schon überstehen musst und das mit 20 Jahren. In wie vielen Dingen ich schon gescheitert bin und wie viele Dinge fast nicht zu schaffen schienen. Das Leben scheint ein großer Hürdenlauf zu sein, immer wieder eine Strecke die sich als einfach erweißt und dann kommen wieder Hindernisse die zu schaffen sind. Doch wenn man schon mal Teile davon geschafft hat, dann macht es ja wenig Sinn wieder rückwärts zu laufen um sie noch einmal zu nehmen, oder?



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